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Tag 11 – Schwimmen im Okavango – oder total verrückt?

Der Morgen danach...

Alle noch am Leben und alle Extremitäten noch vorhanden! :-)
Nach einer Nacht mit eher weniger Schlaf, waren wir alle zum Sonnenaufgang wach und konnten uns unseren Übernachtungsplatz mal im Hellen angucken... genauso wie wir dort stehen, haben wir auch die Nacht verbracht...

Da es hier Toiletten gab, gab es auch fliessend Wasser und so konnten die, die wollten zumindest eine Katzenwäsche machen – inkl. Zähneputzen.

Ebenso wie mit Abendessen war natürlich auch nix mit Frühstück (Dafür hatte unsere Versorgungscrew umso mehr :-)! Aber was hatte Gundel gestern mitten im Busch im Shop gekauft?! Riiiichtiiig: ne Packung Kekse und zwei Schokoriegel, die wurden heute morgen gemeinschaftlich durch 9 geteilt... :-) Tropfen auf den heißen Stein, aber immerhin.

Dann warteten wir noch ein wenig auf Nachricht von den drei steckengebliebenen Jungs und haben uns dann entschieden, noch einmal zu probieren, zu ihnen durchzukommen – wohlgemerkt, auf der Strecke, auf der wir vor ein paar Stunden noch im Schlamm festsaßen...

Hier aber erst noch einmal ein Auszug aus den Sicherheitsregularien, die einem eine offene Übernachtung nun auch nicht wirklich schmackhafter gemacht haben... :-) (Den ersten Satz fanden wir herrlich!)

Bei unseren Versuch, zu den drei Jungs durchzukommen, sind wir noch einmal an der Stelle vorbei gekommen, in der wir steckengeblieben sind, diesmal sind wir aber durchgekommen. Einen guten Kilometer nachdem wir diese Stelle passiert hatten, mussten wir aber feststellen, dass es auch heute und bei Hellem nicht möglich ist, diese Straße zu befahren - also drehten wir um und nahmen Plan B in die Hand: Jetzt wollten wir zur Safari-Gruppe von Sammy "The Stallion" (Ihr erinnert Euch?!) fahren, um wenigstens etwas zu essen zu bekommen, denn das steckt natürlich mit dem Versorgungsfahrzeug irgendwo im Schlamm fest...

Hier genau haben wir gestern unseren Jeep aus dem Modder gerettet... das wäre die Übernachtungsalternative gewesen:

Auf dem Weg zu Sammy ist uns dann dieses unglückliche Gespann aufgefallen, die bei einer Flussüberquerung mit Ihrem Traktor und Anhänger in einem von Elefanten gebuddelten Loch stecken geblieben sind. Der eine schlief vorn im Gras am Vorderrad liegend, der andere hockte auf dem Fahrersitz.

Ihr Lieben zuhause - das war für uns und speziell für mich ein Schlüsselmoment des Urlaubs... der mich die afrikanische Mentalität besser hat verstehen lassen.

Die Konversation ging so - wir, recht erschrocken bei dem Anblick fragten die Jungs:

Seit wann sitzt Ihr denn hier fest? Antwort (seelenruhig): Seid gestern abend.
Kommt denn jemand jetzt, um Euch zu helfen? Antwort (genauso seelenruhig): Nein.
Geht es Euch denn gut, seid Ihr o.k.? Antwort (tiefen-entspannt): Ja.

Wir saßen da mit offenem Mund und verstanden die Welt nicht mehr! Aber so ist das hier... die sitzen da einfach und warten. Irgendwann wird schon irgendjemand irgendetwas zur Hilfe schicken... :-) Handy ist nicht, vorbeifahren tut da auch nur alle halbe Tag jemand - dann sagt man dem dann halt Bescheid, dass der wiederum irgendwo Bescheid sagen soll und dann wird das schon... irgendwann... irgendwie...

Wahnsinn - irgendwo auch toll, so entspannt und gelassen zu sein. Die sterben bestimmt nicht an nem Stress-Herzinfarkt! Aber mit welch einer Seelenruhe die beiden Jungs dort neben ihrem Traktor geschlummert haben als wir kamen... und das nun wirklich in direkter Umgebung von Hippos und Krokodilen... ein Ereignis, das wir nie vergessen werden!

Da wir an der Situation so auch nun nichts mehr ändern konnten, haben wir versucht, das Beste drauss zu machen und haben erstmal Kaffee-Pause an einem Hippo-Pool (Flussabschnitt mit Flusspferd-Teretorium) gemacht:

... und hier gibt´s wirklich ne Menge Hippos:

... und das ist doch mal ein schönes Foto wert – Hauptsache, im richtigen Moment abdrücken....

... jup, getroffen! :-)

Fern ab von jeglicher Zivilisation und Wasserspülung haben wir mittlerweile gelernt, die Gegebenheit der Natur bestens zu nutzen :-) Hier die beiden Herren auf ihrem Weg hinter die Büsche... :-)

Beobachtung inklusive...

Weiter gings. Die Situation war mittlerweile die, dass inzwischen zwei LKWs aus Maun vom Zentraloffice losgeschickt worden waren. Einer davon sollte nun endlich unseren Versorgungstruck aus dem Sumpf ziehen, alle Versuche waren bisher gescheitert. Da das Teil inzwischen auch keinen Mucks mehr machte - wie auch, wenn es die ganze Nacht motortief im Wasser steckt?!!! - war der zweite LKW als Austauschtruck gedacht. Das ganze Equipment sollte dann von unserem steckengebliebenen Truck auf den neuen Truck umgeladen werden, damit die Jungs wieder was Fahrbahres haben und sich auf den Weg zu uns machen können.

Damit hatten wir aber immer noch nichts zu essen... und das wurde nun so gelöst, dass wir zu Sammys Camp fuhren, dass sich etwa 15 Minuten entfernt von unserer eigentlich schon gestern aufgebauten Bleibe entfand. Sein Koch sollte uns mit Lunch versorgen - das Essen würden wir ihm dann morgen, wenn wir uns einen Campplatz teilen, zurückgeben. Ist natürlich heikel... die Mahlzeiten sind ja durchkalkuliert und wenn wir denen (die sind 5 Reisende) mal eben Futter für 8 Personen wegnehmen, geht das natürlich nicht.

Aber mit der glücklichen Aussicht auf was Essbares erreichten wir Sammys Camp:

Dort sagten wir Bescheid, dass der Koch das Lunch für uns vorbereiten möchte - wir würden es dann in ca. eineinhalb Stunden abholen.
Anschließend fuhren wir also zu unserem "neuen" Camp, direkt am Khwai-River, in dem wir eigentlich gestern schon hätten eintreffen sollen. Ein wunderschöne Fleckchen - mitten in der Khwai Region. Dies ist hier ein sozusagen privater Campingplatz - ein Tourismusobejkt der lokalen Bevölkerung - an der Grenze zum Moremi Wildreservat. Wir haben direkten Blick auf einen Wasserarm des Deltas - und finden es super-schön! Wieder ganz anders als das letzte Camp und die letzte Region!

Also bauten wir unsere Stühle auf und genossen die Ruhe...

... und den Ausblick:

Dann eierten wir nochmal zu Sammy, um unser Food abzuholen (leider mußten wir da alle mit, weil Kurt uns natürlich aus Sicherheitsgründen nicht mitten allein im Busch lassen darf) - und nach der Rückkehr hieß es endlich "Essen fassen"! Das tat gut!

Und dann hat Kurt eine Idee gehabt (vielleicht auch ein wenig, um uns bei Laune zu halten?!), bei der wir ihn alle erstmal fassungslos angeguckt haben: "Wollen wir nicht ne Runde im Fluss baden gehen?" ... ?????? IM FLUSS BADEN? Abends nicht aus dem Zelt gehen und auf keinen Fall zu nah ans Wasser wegen Flusspferden und Krokodilen, aber der feine Herr möchte mit uns im Fluss baden gehen??

Er hat uns dann erklärt, dass es genau hier eine Stelle gibt, die wohl relativ sicher ist, da es eine nicht so tiefe Flussüberquerung ist und von der einen Seite keine Krokodil kommen können, da dort Land ist und von der anderen Seite würde man die Krokodile kommen sehen...

Aiaiai, was für eine Idee, aber irgendwie haben wir angefangen zu überlgen, da es auch schon wieder 37° Grad waren und von uns keiner in den letzten zwei Tagen geduscht hatte... und dann haben die Ersten gesagt "OK, wir würden es probieren" und die anderen wollten zumindest mitkommen und erstmal gucken.

Also haben wir uns auf den zu der nur 1km entfernten "Badestelle" gemacht.

Dort angekommen, prüfte Kurt erstmal mit einem Stock, ob vielleicht Krokodile schon dort liegen - denn das hätten wir nicht sehen können... ;-)

Ihr könnt erkennen, links ist ziemlich trocken und ein Krokodil oder Flusspferd kann sich nicht unter Wasser anschleichen. Und rechts ist relativ seichtes Wasser und vor allem kommt der Wind von links und die kleinen Wellen bewegen sich von uns weg – wenn jetzt ein Krokodil kommen würde, würden sich deren Wellen ja auf uns zu bewegen und das würde man dann sehen.

Mehr oder weniger mutig -aber noch ganz schön skeptisch- geht es voran...

... und bis zur Mitte ist schon mal geschafft...

... jetzt nen schönen Kopfsprung....

... und schwupp, drinn gesessen... ;-)

... nur bitte nicht zu weit rausschwimmen...

... jetzt wurden alle mutig und kamen mit in den "Pool" ;-)

Nein, das hinter Gundel sind wirklich nur 2 Baumstämme... :-)

Mit ungfähr 33-35° Grad war das Wasser auch ganz angenehm und lud zum Faxenmachen ein...

Gundel beim "Haarewaschen" – und was für ein Glück, dass unsere "Krokodile" (Crocs) oben schwimmen :-)

Erfrischt kamen wir dann wieder am Camp-Platz an und ruhten uns ersteinmal aus. Katrin hinten rechts musste sich dann auch erstmal die Beine rasieren – das darf im Busch natürlich nicht fehlen und schließlich mußte die im Buschvillage erworbenen Rasierklinge ja auch zum Einsatz kommen... ;-)

Gundel und Tina hingegen, waren total erschlagen und machten es sich auf dem Jeep gemütlich...

Nach ungefähr 3 Stunden Mittagsruhe (wow, sowas mal in Hamburg...) ging es dann wieder auf "Game Drive" und wir durchfuhren genau unseren "Pool"...

SUPER! Noch ein weiterer Strich in unserer Big Six-Liste...

... der Wasserbüffel...

Das sind schon gewaltige Tiere...

... in die Quere möchte man dem nicht wirklich kommen.

Ein junger Greifvogel beobachtete uns und wir haben gelernt, dass dies noch ein Junger ist, da er noch das braune Federkleid trägt, was er erst nach 7 Jahren abwirft.

Dann entdeckte Kurt eine Herde "Bachelor"-Elefanten – also ne Herde Junggesellen... ;-)

Die beiden Halbstarken wollen herausfinden wer der Stärkere ist:

Und wie ich immer so gern sage: Wer lang hat, lässt lang hängen... :-)

Und auch, wenn wir schon viele Zebra-Fotos haben, guckten diese 4 doch zu entzückend in die Kamera...

Es wurde immer später und wir haben dann endlich mal wieder einen tollen Sundowner geniessen dürfen, mit einem hammermäßigen afrikanischen Sonnenuntergang – nur Wein gab es leider nicht, der Steckte noch mit dem Versorgungsfahrzeug im Schlamm... Aber DIESER Himmel entschädigte für allen fehlenden Wein!!!

Von unserem Baumstamm aus, beobachten wir das tolle Farbenspiel...

... welches gerade durch die Regenwolken noch viel spannender wurde...

wow...

Die Welt scheint zu brennen...

Da wir vom Versorgungfahrzeug nun endlich die Nachricht bekommen haben, dass sie auf dem Weg sind, aber noch Zeit brauchen, haben wir uns entschieden, heute unsere Nachtsafari zu machen.

Dazu musste/durfte Tina neben Kurt Platz nehmen und ihm assistieren... wat ne Idee... :-) Glücklicherweise mußte sie nicht Karten lesen! :-)

Bei einem "Nidght-Drive" fährt man durch tiefstes Schwarz und versucht die Tiere mit einem Handscheinwerfer zu finden. Das hört sich jetzt nicht so spannend an und man wird vielleicht denken, wie soll man denn da die Tiere sehen. Aber es funktioniert fast besser als am Tage, da sich die Augen der Tiere im Licht natürlich spiegeln. Die meisten Tiere laufen auch nicht weg bei dem Licht. Ab und zu müssen wir sogar aufpassen, denn eine der wichtigsten Verhaltensregeln hier ist, nicht in die Natur einzugreifen! Wenn wir z.B. eine Herde Impalas mit der Lampe anleuchten und blenden würden, würden sie ausser dem Lampenschein nichts sehen und würden stehen blieben - das wäre natürlich ein Vorteil für die potenziellen Jäger. Aus disem Grund wird in solchen Fällen kurz vor die Tiere auf den Boden geleuchtet und man kann die Tiere durch die Lichtspiegelung sehen, ohne sie direkt blenden zu müssen.

Durch die Lichtverhältnisse leider nicht so gut zu fotografieren, aber hier schon mal eine Eule im Gras - die wir ohne die spiegelnden Augen nie gesehen hätten.

Dann haben wir auf einmal einen Funkspruch von den Jungs bekommen, die irgendwo auf dem Weg waren, sich in der Dunkelheit aber nicht orientieren konnten und so haben wir den Night-Drive abgebrochen, um uns mit ihnen zu treffen und zusammen zum Campground zu fahren.

Nach 30 Minuten kam dann noch ein neuer Funkspruch und ratet mal: GENAU, sie steckten wieder fest!!! :-(

Da sie nun schon aber relativ nah waren, hat Kurt beschlossen, genau dort wo sie jetzt feststecken sollten sie unser Camp aufbauen, damit wir heute überhaupt mit einem Dach über dem Kopf schlafen könnten.

Als wir dann endlich am provisorischen Camp ankamen, war es -durch die wenige Zeit die die Jungs hatten- nur ein "Basic-Camp", mit nur einer Toilette für alle, keinen Betten (nur den Matrazen auf dem Boden) und auch in keiner schönen Gegend.

Das war, gerade nach der Nacht im Jeep natürlich alles nicht so doll... als wir dann aber noch gemerkt haben, dass alle unsere Bettwäsche und Matrazen komplett nass waren (weil die Jungs leider beim Umladen aus dem festgefahrenen Truck in den neuen Truck von einem Gewitter überrascht wurden), war dann für einige von uns "deutschen" Urlaubern ;-) Ende...

Dass wir Regenzeit haben und es dieses mal nicht wie vom Reisebüro erwähnt "...ab und zu am Nachmittag regnet und dann auch wieder 2, 3 Tage Sonnenschein ist...", sondern auch gern mal einen ganzen Tag durch und es den nächsten Tag dann wieder regnet, ist doof, aber von keinem zu ändern und unser eigenes Pech, da "höhere Gewalt" - das unser Versorgungsfahrzeug stecken bleibt und wir dadurch halbnackt auch unseren festgefahren Jeep rausziehen müssen und eine Nacht im Jeep neben Hyänen schlafen müssen, war auch noch ein gern genommenes und lustiges "Abenteuer" - das wir am nächsten Tag dann auch (schon die zweite Nacht) nicht in dem geplanten Camp schlafen können, geschweige dann, den zweiten Tag schon ohne Dusche etc. auskommen müssen, auch das können wir noch "verknusen" - als wir dann aber nach der ganzen Zeit in einem provisorischen Camp ankommen, hungrig, müde und trotz "Pool-Bad" ja nicht wirklich sauber und wir dann auf die Matrazen auf der Erde(!) steigen wollen und diese dann auch noch total nass waren, da Platze uns die Hutschnur und wir wollten darüber mal mit Kurt sprechen.

Um es nochmal herauszustellen, Kurt und die drei Jungs haben ihr Bestes gegeben, dass müssen und wollen wir auch anerkennen. Aber wir finden, dass man im Letaka-Safari Office doch etwas mehr hätte mitdenken müssen und vielleicht doch drei Jungs mehr schicken hätte sollen, damit sich das Ganze eben nicht bis spät in die Nacht hinzieht und somit gar keine Chance mehr für ein ordentliches Camp besteht, bzw. das einfach mal jemand nachdenken hätte müssen und dann dem neuen Versorgungsfahrzeug einfach trockenen Bettwäsche hätte mitgeben sollen.

Und ja, vielleicht müssen auch wir einfach von unserem deutschen "dafür muss es jetzt einen Verantwortlichen geben" runterkommen und einfach mal die Paarung aus Mentalität und örtlichen/natürlichen Gegebenheiten gelten lassen. Vielleicht gibt es in diesem Fall gar keinen wirklich Verantwortlichen. Und natürlich verstehen wir, dass es hier eben nicht so einfach ist, "mal eben" trockenene Bettwäsche per Flieger einfliegen zu lassen. Trotzdem ist dann nach zwei eigentlich schönen und lustigen, am Ende aber doch anstrengenden, dreckigen und hungrigen Tagen -zumindest für uns- mit nasser Bettwäsche aber auch Schluss und nicht alles ist mit "man wusste aber das man in der Regenzeit fährt" abzugelten - dafür ist der ganze Trip dann doch einfach zu teuer.

Wie auch immer, in dem Moment war es nicht zu ändern und es ging dann auch irgendwie.

Trotzdem ist es super hier!

Zumindest gab es noch einen kleinen Besucher auf dem Arm: eine Gottes-Anbeterin:

Und ein groooooßer Schluck Wein ließ die Welt dann doch noch halbwegs akzeptabel aussehen... völlig erschossen ging es dann irgendwann in die Falle.

Ab morgen haben wir wieder das Glück auf unserer Seite :-) Gute Nacht!

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